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Lunchbox – Mein Film des Jahres

Filmplakat: Lunchbox

Letzten Dienstag hatte ich das Vergnügen – und das war es wirklich – den Film Lunchbox in der Pressevorführung zu sehen. Bis zum Kinostart vergehen noch einigen Wochen, denn der ist erst am 21.11.2013. Für dann solltet ihr euch Lunchbox aber jetzt schon auf die Must-See-Liste setzen. Für mich ist es der schönste Film, den ich dieses Jahr gesehen habe.

Vorweg: Ich kann zur deutschen Fassung nicht viel sagen, da wir OmU in der Pressevorführung hatten. „Original“ bedeutet hier übrigens Indisch mit stellenweise englischen Dialogen – eine spannende Variante. Ich gehe aber davon aus, dass die Synchronisation dem hohen Wert des Films gerecht wird und hier wenig verloren geht. Die Untertitel erschienen mir schon sehr gut übersetzt zu sein.

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Ila beim Kochen

Als weibliche Hauptfigur lernen wir Ila (gespielt von Nimrat Kaur, bekannt aus Peddlers) kennen. Sie kümmert sich um ihre Tochter und ist in ihrer Beziehung nicht mehr glücklich, weil sie sich von ihrem Mann vernachlässigt fühlt. Jeden Tag schickt sie ihrem Mann eine Lunchbox mit Essen zur Arbeit. Diese wird von den Dabbawallas, einer Art Lieferservice für zuhause Gekochtes, hin und her transportiert. Obwohl deren Fahrer kaum lesen können, kommt es nur in einem von sechs Millionen Zustellungen zu einem Fehler.

Ausgerechnet als Ila eine besonders leckere Lunchbox zu ihrem Mann sendet, um Ihre Beziehung wieder anzukurbeln, tritt aber eine solcher Fehler auf. So nimmt das Schicksal seinen Lauf. Die Box landet bei Saajan (gespielt von Irrfan Khan, bekannt aus Life of Pi, dort der Vater, und Slumdog Millionär, dort der Detektiv). Er ist ein alter, abweisender und verbitterter Mann. Seine Frau ist bereits gestorben und er geht bald in den Ruhestand.

Die Lunchbox begeistert ihn. Er isst alles auf, sodass Ila erkennen kann, dass es ihm sehr gut geschmeckt hat. Abends erkennt sie im Gespräch mit ihrem Ehemann, dass nicht er, sondern jemand anderes die Box erhielt. Am nächsten Tag schickt sie wieder eine los – dieses Mal mit einem kleinen Zettel darin. Sie erhält sie leer zurück, aber mit einer Antwort zurück. So entspinnt sich langsam eine Brieffreundschaft zwischen Ila und Saajan. Die Lunchbox und die Dabbawallas übernehmen dabei die Rolle der Post.

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Saajan liest Ilas Nachricht

Nach und nach vertrauen sich die beiden mehr und öffnen sich einander. Die Nachrichten lassen sie dabei aufleben und aus ihrem bisherigen eher trostlosen Leben ausbrechen. Dabei spielen auch Auntie und Shaikh wichtige Rollen. Auntie ist Ilas Nachbarin, mit der sie durch das offene Fenster spricht und die zu allem einen Rat weiß. Shaikh ist ein Weise, den von Saajan als Nachfolger eingearbeitet und der ihn mit seiner fordernden und übereifrigen Art immer wieder herausfordert.

So entspinnt sich aus der falsch zugestellten Lunchbox eine persönliche Entwicklung der beiden Hauptfiguren, bis sie sich dann schließlich zu einem Treffen verabreden. Für solch einen Fehler wird im Film sinngemäß der Satz „Der falsche Zug kann trotzdem zum richtigen Bahnhof fahren.“ geprägt.

Auch wenn es kein Kochfilm ist, spielt das Essen natürlich eine zentrale Rolle im Film. Ila ist oft beim Kochen im Dialog mit der (nicht sichtbaren) Auntie zu sehen und spricht mit ihr auch über das Kochen. Auf der anderen Seite ist Saajan sehr schön gezeichnet, wie er sich jeden Tag auf die Lunchbox freut. Kaum bekommt er sie schnuppert er daran und kann die Mittagspause kaum abwarten.

Einfühlsam ist die Geschichte und Entwicklung der beiden dargestellt. Sie werden beide lebendiger und vertrauen sich einander an. Gerade für jemanden wie mich, der ich Menschen bei solchen Prozessen begleiten darf, ist dieser Teil des Films persönlich sehr wichtig. Ich mag solche Geschichten, auf die man immer wieder schauen kann. Menschen, die aus monotonen und tristen Lebenssituationen heraustreten, obwohl das alles andere als normal ist.

So ist Lunchbox ein modernes Märchen über zwei Menschen, die das Schicksal zusammengeführt hat. Und ebenso liebevoll, wie Eltern ihren Kindern solche Märchen erzählen, ist dieser Film liebevoll produziert. Schöne und sprechende Aufnahmen zeigen das Leben in der Metropole Mumbai. Die Schauspieler überzeugen ebenso wie die Dialoge, die an der einen oder anderen Stelle die nachdenkliche Handlung durch Anekdoten und kleine Lacher ergänzen. Keine Kritikpunkte aus meiner Sicht. Höchstens vielleicht, dass nicht thematisiert wird, wie der Fehler nun eigentlich zu Stande kam.

Mich hat der Film innerlich sehr ruhig werden lassen, er hat mich bewegt und berührt. Ihm kommt zugute, dass er zwei mir persönlich sehr wichtige Themen aufgreift. Aber dennoch schaffen es nur wenig solcher Filme, mich so zu erreichen.

Daher gebe ich diesem Film 9 von 10 Punkten und spreche eine absolute Empfehlung dafür aus.

Bilder: Pressematerial

2 Kommentare

  1. MS

    Hi, ich fand den Film wundervoll und ich träume seit ich ihn gesehen habe von diesen Speisen…gibt es irgendwo diese Rezepte zum Nachkochen?

    Es ist wohl so, dass 1 Fehler in 1 Million Lieferungen passiert – zum Glück hat dieser eine Fehler irgendwelche kreativen Menschen dazu gebracht, eine Geschichte zu schreiben und einen Film zu drehen:)

  2. Ein paar der Rezepte habe ich hier noch in der Pressemappe rumliegen. Die will ich mal ausprobieren – kam aber noch nicht dazu. Wenn es soweit ist, poste ich das hier. Bis dahin empfehle ich dir meine anderen indischen Rezepte.

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