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Wie blogge ich am besten ein Rezept?

Nun blogge ich schon seit einiger Zeit Rezepte. Seit meinem ersten Rezept (inzwischen weiterentwickelt zum Zwiebelbrot) hat sich bis zum aktuell letzten schon ein bisschen was getan. Auch aus Rezepten von anderen Bloggern und natürlich aus Büchern habe ich ein paar Sachen gelernt. Ich will mal versuchen, das alles ein bisschen zusammenzufassen und eine Skizze vom optimal gebloggten Rezept zu zeichnen.

Diese Zusammenfassung ist quasi eine präzise Ausformulierung von Teilen meiner Qualitätsoffensive auf Rezepte bezogen. Ich sollte das als Arbeitsanweisung niederschreiben und mich ISO-9000-zertifizieren lassen. 😉

Mach dir ein Bild

Wie heißt es so schön? „Das Auge isst mit.“ Das gilt natürlich auch schon beim Rezept. Tendentiell koche ich eher Rezepte mit Bildern, weil ich da mehr optischen Anreiz habe. Es sieht einfach lecker aus und möchte von mir nachgekocht werden. Obwohl ich schon seit mehreren Monaten das Paul-Bocuse Standardkochbuch besitze habe ich noch kein einziges Rezept daraus gekocht. Warum? Weil es keine Bilder hat.

Also: Mach ein schönes Bild von dem Gericht. Ich mache grundsätzlich von allem, was ich koche und backe ein Bild – man kann nie wissen, ob man es doch noch bloggen will. Das Bild sollte nach Möglichkeit was hermachen, also ist es nicht verkehrt sich auch ein bisschen um die Garnitur zu kümmern. Und ich beginne so langsam mir auch extra Geschirr für schönere Fotos zuzulegen. Nicht immer die selben eintönigen weißen Teller…

Das Foto solltet ihr am besten oben im Blogeintrag platzieren, denn dann ist es das erste was in das Auge fällt. Es sollte nicht zu klein sein, dass man noch was erkennen kann. Aber auch nicht zu groß (sind meine zu groß?), damit die Ladezeit erträglich bleibt.

Der Weg ist das Ziel

Für den Leser besonders hilfreich ist es, wenn ihr auch von den Zwischenschritten Bilder macht. Ich habe das bislang nur einmal beim Birnen-Rucola-Salat gemacht und weiß natürlich, dass das einiger zusätzlicher Aufwand ist. Und umständlich ist es auch, gerade wenn man alleine kocht, weil man immer zwischen Kamera und Kochen wechseln muss. Gerade hier gilt: Nicht zu viele große Bilder wegen der Ladezeit.

Struktur Baby, Struktur!

Bringt eure Rezepte möglichst immer in eine einheitliche Struktur. Ich habe mir dazu ein Template gebaut, dass ich immer wenn ich ein neues Rezept blogge, also Vorlage reinkopiere. (Leider kann Movable Type das nicht wirklich als Vorlage verwalten, aber daran arbeite ich.) So gewährleistet ihr für eure Leser eine leichtere Orientierung, wenn sie eure Rezepte lesen wollen.

Nach dem Bild folgen bei mir immer ein paar kurze Sätze zu dem Rezept. Ich weise auf Besonderheiten oder Umstände hin, die mich zu dem Rezept gebracht haben. Dann folgen die Zutaten, die Zubereitung und der Service-Block.

Was muss rein?

Die Zutaten schreibe ich immer extra direkt am Anfang auf. Sie innerhalb des Rezepts unterzubringen und fett hervorzuheben finde ich zum zusammenstellen der Einkaufsliste etwas umständlich und unübersichtlich. Bei der Reihenfolge er Zutaten halte ich mich nicht daran, wie sie sie benötigt werden, sondern ich strukturiere sie lieber nach Art: Erst die Hauptzutaten, dann die Nebenzutaten und am Schluss Dinge wie Gewürze (die man sowieso da haben sollte). So sieht man auf den ersten Blick, was im wesentlichen drin ist. Das gibt einem eine schnellere Vorstellung vom Rezept. Und man weiß auch, was man eher mal ersetzen/weglassen kann, wenn man es nicht bekommt. Am Schluss finden sich bei mir gerade Gewürze, die man meistens sowieso da hat.

Die Reihenfolge hat für mich wenn ich so so bei anderen vorfinde auch ganz praktische Gründe: Ich muss allergiebedingt gewisse Zutaten meiden. Stehen die irgendwo weit iben als Hauptzutat drin, wird es mit dem Ersetzen meistens schwierig. So sehe ich auf den ersten Blick wieviel ich abwandeln muss und ob das überhaupt klappen kann. (Mehr zu Allergien weiter unten.)

Ob das wirklich die beste Reihenfloge für Zutatenangaben ist weiß ich nicht wirklich. Es gibt sicher auch Gründe für andere und gegen diese. Da gibt es vielleicht nicht die optimale Lösung. Wichtig ist vor allem eines: Nichts vergessen!

Und eine besondere Zutat solltet ihr auch nicht aus den Augen lassen: Das Handwerkszeug. Braucht man bzw. empfiehlt sich für das Rezept ein bestimmtes Küchenwerkzeug, das nicht alltäglich ist? Dann gebt es an.

Ganz wichtig ist auch, dass ihr eine Mengenangabe macht. Natürlich ist es immer schwierig zu definieren, wieviel „eine Portion“ ist. Aber versucht es einfach. Besser als keine Angabe ist eine geschätze Angabe hier allemal.

Und was passiert damit?

Das Herzstück ist natürlich die Anleitung. Ich versuche diese immer zu strukturieren und in einzelne nummerierte Arbeitsschritte zu unterteilen. Das hilft bei der Orientierung während des Kochens. Nichts ist schlimmer als ein langer Fließtext, bei dem ich jedes mal wieder den nächsten Punkt suchen muss, wenn ich nachschauen muss wie es weitergeht.

Tätigkeiten wie das Vorheizen des Backofens schreibe ich immer ganz an den Anfang. Denn ich weiß nicht, wie lange das bei anderen dauert. So weiß jeder, dass es zu tun ist und kann sich rechtzeitig daraum kümmern.

Dann versuche ich alle Vorarbeiten wie das Schneiden von Gemüse zusammenzufassen. Also alles, was man vorab erledigen kann. Oder wie schafft ihr es, eine Soße unter ständigem rühren zu kochen und dabei noch nebenher ein Kilo Gemüse zu schnippeln. Und das in fünf Minuten, während denen die Soße kochen soll… eben! Das gebe ich nur so an, wenn das auch wirklich jeder in der Zeit schafft.

Danach folgen bei mir dann immer die eigentlichen Koch-/Backabläufe. Und ganz am Schluss – wenn sinnvoll – Hinweise zum Anrichten bzw. Garnieren.

Leben in der Servicewüste

Wir leben hier in Deutschland ja bekanntlich in der Servicewüste. Versucht das zu vermeiden. Ich hänge an jedes Rezept einen Service-Block mit weiterführenden Informationen an. Dazu gehören bei mir:

Quellenangabe
Wo ist das Rezept her? Habt ihr eine Online-Quelle so setzt bitte einen Link dort hin. Der originale Autor hat es auf jeden Fall verdient auch von euren Lesern besucht zu werden. Ist es ein Buch gebt möglichst nicht nur den Titel etc. an sondern setzt auch einen Link direkt zu einer Buchrezesion, die ihr vielleicht shcon geschrieben habt, und einen Link zu einem Online-Shop wo man es direkt ordern kann. (Den Link natürlich nicht auf die Startseite des Shops sondern direkt auf den Titel im Shop.)

Verweise auf andere Rezepte
Wohin mit den Resten? Manche Zutaten kauft man besser in größeren Mengen oder man hat sowieso größere Mengen aus dem eigenen Garten. Hier hilft es, wenn ihr den Leser auf andere Rezepte mit den Hauptzutaten verweist.

Wer kann es essen?
Zurück zu den Allergikern: Ich darf zum Glück nur einige wenige Zutaten nicht essen. Aber es gibt Menschen, die da mehr drauf schauen (müssen). Also helft diesen Lesern doch, indem ihr an einheitlicher Stelle (bei mir am Schluss in den Tags) angebt, wer es verträgt. Eignet es sich für Vegetarier und Veganer? Ist es glutenfrei und laktosefrei? Vertragen es Diabetiker? Natürlich macht nicht jede Angabe immer Sinn: Welcher Nachtisch ist schon nicht vegetarisch? Da lasse ich das dann natürlich auch weg. Manchmal kann man auch angeben, was zu variieren ist, damit das Rezept entsprechend abgewandelt werden kann.
Optimal ist es natürlich, wenn ihr für die entsprechenden Kategorien zusätzliche Kategorien anlegt und das Rezept dann dem Typ (z.B. Vorspeise) und den verschiedenen Verträglichkeiten zuordnet.

Schwierigkeit, Zeitaufwand und andere Zahlen
Leider gibt es keine einheitlichen Einheiten für Schwierigkeit und Dauer eines Rezepts. In vielen Kochbüchern wird es dennoch angegeben. Das halte ich eher für schwierig, weil da jeder Mensch unterschiedlich schnell arbeitet und auch sein Werkzeug (wie lange braucht der Herd zum heizen?) spielen hier herein. Auch Schwierigkeitsgrade werden sehr persönlich empfunden. Ich lasse daher beides weg, weil ich wohl eher Angaben machen würde, die andere als völlig falsch empfinden würden. Was ich mangels Wissen auch nicht angebe sind Angaben wie Kalorien, Fettgehalt, u.s.w. Diese sind schon eher objektiv und schaden sicher nicht.

Was ist noch zu sagen?
Ihr habt noch mehr zum Rezept zu sagen? Eignet es sich zum Kochen mit (nicht nur für) Kinder? Gibt es Geschichten dazu? Wie ist es entstanden? Das schreibe ich unter eine Überschrift „Hinweise“ mit rein. Es gibt sicher jemanden, den es interessiert. Aber übertreibt es nicht: Ihr wollt ein Rezept schreiben – und keinen Roman.

Und das gilt eigentlich auch für diese Anleitung. Das waren auf meinem Zettel mal nur ein paar Stichworte. Jetzt ist es schon wieder viel zu lang geworden. Und ich habe sicher dennoch was vergessen. Ergänzungen und Korrekturen bitte per Kommentar. Danke!

5 Comments

  1. Ich gebe ja zu, dass Fotos eher zum Nachkochen anregen. Was aber so in Kochbüchern zu Rezepten abgebildet ist, entspricht leider nicht immer dem Rezept. So fand ich neulich irgendwas Eingemachtes mit – sehr offensichtlich sehbaren – Senfkörnern. Im Rezept stand davon nix drin. Habe auch mal ein und dasselbe Foto zu zwei leicht unterschiedlichen Rezepten gefunden. Und dann wundern sich die Leute hinterher, wenn ihr Nachgekochtes nicht der Abbildung entspricht…

  2. So sollte das mit dem Bild tatsächlich nicht ablaufen. So ein Pfusch.

    Allerdings möchte ich noch zu bedenken geben: So wie auf dem Bild bekommt man es ja meistens sowieso nicht hin, weil da eben doch ein Profi am Werk war. Aber ich arbeite daran, dass meine Gerichte optisch auch besser aussehen. 😉

  3. Hallo Jan,
    warum habe ich diesen Post bisher noch nicht gefunden? Stehen eine Menge wichtiger Informationen drin. Vielen Dank für deine Arbeit.
    Von mir gibt es noch ein paar technische Ergänzungen:
    Seit einiger Zeit wird bei Microformats an einem Microformat gearbeitet. Weitere Informationen gibt es unter Recipe Examples
    Bei den Rezept Bildern empfehle ich sinnvolle Namen für die Bilder zu verwenden. Also das Rezeptbild nicht als IMG0815.jpg einstellen. Das Bild sollte einen passenden Namen haben. Zum Beispiel omelette.jpg. Zusätzlich sollte bei jedem Bild noch das alt-Attribut vernünftig ausgefüllt werden. Zum Beispiel alt=“Omelette – Rezept Bild“.
    So, das wars von mir und nun viel Spaß beim Rezepte Kochbloggen.

  4. Vielen Dank für diesen tollen Blog-Eintrag! Beim Lesen ist mir aufgefallen, dass ich einige Dinge (bisher eher unbewusst) genauso handhabe wie du.

    Einige Dinge sind wahrscheinlich eher Geschmackssache (z. B. in welcher Form man die Zutaten angibt, obwohl ich da auch eher der Listen-Typ bin), daher finde ich es am wichtigsten, dass die Leser eine klare Linie im Blog erkennen können, um zu wissen, wo sie was finden.

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